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30.06.2015 Jahresempfang Diakonie Bayern


"Es ist höchste Zeit, eine humane Einwanderungspolitik zu entwickeln."

Diakonie fordert eine schnellere Integration der Flüchtlinge in Deutschland.

Nürnberg/Rosenheim, 29. Juni 2015 Zu einem grundsätzlichen Umdenken in der Flüchtlingspolitik riefen die Rednerinnen und Redner auf dem Jahresempfang der bayerischen Diakonie auf, der heute in Rosenheim stattfand. Der Beitrag Deutschlands zu den Ursachen und zur Lösung der weltweiten Flüchtlingskrise stand im Mittelpunkt des Festvortrags von Cornelia Füllkrug-Weitzel, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung und Präsidentin von Brot für die Welt.

"Es ist höchste Zeit, eine humane Einwanderungspolitik zu entwickeln ? eine Politik, die sich orientiert an den Menschenrechten der Frauen, Männer und Kinder, die ihre Herkunftsländer verlassen, um in einem anderen Staat eine Existenz aufzubauen", sagte Füllkrug-Weitzel vor über 200 geladenen Gästen. Die Ursachen für Flucht und erzwungene Migration müssten ebenso bekämpft werden wie die Armut in den Herkunftsländern.

Deutschland sei ebenso wie die anderen Länder der EU in der völkerrechtlichen Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Der Streit um eine gerechtere Verteilung innerhalb der EU dürfe nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen werden.

"Die meisten der hier ankommenden Flüchtlinge werden in Deutschland bleiben, und es ist unsere vorrangige Aufgabe, sie schnell in unsere Gesellschaft zu integrieren," so Füllkrug-Weitzel. "Dafür müssen wir investieren in Bildung, sozialen Wohnraum, Ausbildung und Gesundheitsversorgung."

Der Präsident der bayerischen Diakonie Michael Bammessel rief dazu auf, den Zustrom der Flüchtlinge nicht nur als Belastung, sondern auch als Chance zu sehen. Er lobte das große ehrenamtliche Engagement für die Flüchtlinge. "Es würde die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter fördern", so Bammessel, "wenn die Menschen, die zu uns kommen, zügiger eine Arbeitserlaubnis erhielten. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur schnelleren Integration, und eine wertvolle Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft."

Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin und Oberkirchenrätin im Kirchenkreis München und Oberbayern, plädierte in ihrem Geistlichen Wort für eine neue Sicht auf die Flüchtlinge: "Menschen sind nicht einfach bloße Problemfälle, sondern wunderbare Geschöpfe Gottes, die auch in ihren höchsten Nöten uns selber etwas zu geben vermögen: Nähe, Vertrauen, ihre eigene Kultur, ein zaghaftes Lächeln. Lassen Sie uns miteinander bislang unerhörte Alternativen zu dem entwickeln, was gang und gebe ist, und das, wo immer es geht, in die Tat umsetzen."


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